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Die Zwölftelregel: Wasserstand zu jeder Uhrzeit berechnen

Was die Zwölftelregel ist, wie man sie Schritt für Schritt anwendet und ein Rechenbeispiel, ob genug Wasser für die Hafeneinfahrt da ist. Mit ihren Grenzen.

Von Das BarcoEquipado-Team Aktualisiert am 2 Min. Lesezeit

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Uhrzeit und Höhe von Niedrig- und Hochwasser stehen in der Gezeitentafel. Aber du willst um 10:20 Uhr in einen flachen Hafen einlaufen, und die eigentliche Frage lautet: Wie viel Wasser ist um diese Zeit da? Die Zwölftelregel beantwortet das in einer Minute, ohne Taschenrechner.

Die Regel: Bei einer Tide von etwa 6 Stunden steigt (oder fällt) das Wasser in jeder Stunde um 1, 2, 3, 3, 2 und 1 Zwölftel des Tidenhubs. Die Hälfte kommt in den beiden mittleren Stunden.

So funktioniert es

Die Tide steigt nicht gleichmäßig: Sie beginnt langsam, wird zur Halbtide schneller und bremst vor Hochwasser wieder ab. Die Regel nähert diese Kurve an, indem sie den Tidenhub (Hochwasserhöhe minus Niedrigwasserhöhe) in 12 Teile teilt:

Stunde nach NiedrigwasserAnstieg in der StundeSumme
1.1/121/12
2.2/123/12 (ein Viertel)
3.3/126/12 (die Hälfte)
4.3/129/12 (drei Viertel)
5.2/1211/12
6.1/1212/12 (Hochwasser)

Bei fallendem Wasser gilt dasselbe rückwärts ab Hochwasser. Dauert die Tide nicht genau 6 Stunden, teile die Zeit zwischen Niedrig- und Hochwasser durch 6 und rechne mit diesen „Tidenstunden“.

Beispiel: Reicht das Wasser um 10:20 Uhr?

Gezeitentafel: Niedrigwasser 08:00 Uhr mit 0,5 m, Hochwasser 14:00 Uhr mit 3,5 m. Tidenhub: 3 m, ein Zwölftel sind also 0,25 m.

Dein Boot hat 1,8 m Tiefgang, und du willst 0,5 m Wasser unter dem Kiel: Du brauchst 2,3 m Wasser. Die Karte zeigt 0,8 m in der Einfahrt, also muss die Tide bei 1,5 m stehen, 1 m über Niedrigwasser.

  • 09:00 Uhr (1. Stunde): +0,25 m, Summe 0,25 m.
  • 10:00 Uhr (2. Stunde): +0,50 m, Summe 0,75 m.
  • 3. Stunde: +0,75 m. Es fehlen 0,25 m, ein Drittel davon: etwa 20 Minuten.

Antwort: ab etwa 10:20 Uhr reicht das Wasser knapp. Es ist eine Schätzung, also Reserve einplanen: lieber um 10:45 Uhr einlaufen.

Die zweite Lesart: Wann der Strom am stärksten ist

Wenn die Hälfte des Wassers in der 3. und 4. Stunde kommt, läuft dann auch der Gezeitenstrom in Rinnen und Seegatten am stärksten. Wenn möglich, ein enges Seegatt nicht zur Halbtide mit Wind gegen Strom passieren: Dann steht die steilste See.

Grenzen: Wann man der Regel nicht trauen sollte

  • Sie ist eine Näherung. Sie passt gut zu regelmäßigen halbtägigen Tiden. Immer mit den Gezeitentafeln des BSH abgleichen.
  • Unregelmäßige Tiden: In manchen Revieren hat die Kurve Stillstände oder Doppelhochwasser, dann passt die Regel nicht.
  • Ostsee und Mittelmeer: Die Gezeiten sind dort sehr klein; Luftdruck und Wind bestimmen den Wasserstand.
  • Luftdruck und Wind: Hoher Druck senkt den Wasserstand, tiefer hebt ihn (etwa 10 cm pro 10 hPa). Starker auflandiger Wind kann ihn deutlich stärker verändern.

Wenn du im Tidenrevier ankerst, kombiniere das mit der Berechnung der Kettenlänge: Die noch steigende Tide zählt zur Gesamthöhe.

Häufige Fragen

Was ist die Zwölftelregel?+

Eine schnelle Methode, die Höhe der Tide zu jeder Uhrzeit zu schätzen: Bei einer Tide von etwa 6 Stunden steigt das Wasser pro Stunde um 1, 2, 3, 3, 2 und 1 Zwölftel des Tidenhubs.

Was ist der Tidenhub?+

Die Differenz zwischen Hochwasser- und Niedrigwasserhöhe. Bei 3,5 m Hochwasser und 0,5 m Niedrigwasser beträgt er 3 m.

Was, wenn die Tide nicht 6 Stunden dauert?+

Die Zeit zwischen Niedrig- und Hochwasser durch 6 teilen und mit diesen Tidenstunden rechnen. Bei 6 h 30 min dauert jede 65 Minuten.

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