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Die meisten Seenotfälle im Freizeitbereich beginnen mit etwas, das sich am Steg hätte vermeiden lassen: ein falsch gelesener Wetterbericht, ein halb leerer Tank, eine leere Batterie oder eine Rettungsweste, von der niemand wusste, wo sie liegt. Diese Checkliste vor dem Auslaufen ist in fünf Minuten durchgegangen und passt für Motorboote, Schlauchboote und Segelyachten. Speichern Sie sie auf dem Handy oder kleben Sie sie an die Konsole.
Die Kurzantwort: Wetterbericht prüfen, Kraftstoff, Motor und Bilge kontrollieren, Rettungswesten zählen, UKW-Funk testen, Papiere mitführen und einen Törnplan an Land hinterlegen. Wenn eines davon nicht stimmt, laufen Sie nicht aus.
1. Wetter: die wichtigste Entscheidung
- Prüfen Sie den amtlichen Seewetterbericht des Deutschen Wetterdienstes (DWD) für Ihr Revier und für alle Stunden des Törns, inklusive Rückweg.
- Achten Sie auf Warnungen vor Wind, Seegang, Gewitter und Nebel.
- Denken Sie an thermische Winde am Nachmittag, die oft gerade bei der Rückfahrt auffrischen.
- Gleichen Sie mit dem Barometer ab, falls vorhanden: Ein schneller Druckfall kündigt Verschlechterung an.
- Fragen Sie im Hafen nach: Wer seit Jahren denselben Horizont beobachtet, weiß, wann der Bericht zu optimistisch ist.
Im Zweifel bleiben Sie im Hafen. Das Wasser ist morgen auch noch da.
2. Boot und Motor
| Kontrolle | Was zu prüfen ist |
|---|---|
| Kraftstoff | Drittelregel (ein Drittel hin, ein Drittel zurück, ein Drittel Reserve); Entlüftung des Tragetanks offen, Schlauch fest eingerastet |
| Motor | Ölstand, Start im Hafen, Kühlwasserstrahl, Motorstopp-Leine eingehängt |
| Bilge | Ablassstopfen eingesetzt, Bilge trocken, Pumpe funktioniert |
| Batterien | Genug Ladung, Hauptschalter richtig gestellt, Pole fest |
| Lichter | Navigationslichter funktionieren, falls auch nur die Möglichkeit besteht, im Dunkeln zurückzukehren |
| Anker | Anker, Kette und Leine bereit, Schäkel gesichert |
| Festmachen | Leinen und Fender für die Rückkehr an Bord |
Springt der Motor schlecht an, fahren Sie nicht los in der Hoffnung, dass es sich gibt: Lesen Sie unseren Ratgeber warum ein Außenborder nicht anspringt und gehen Sie die Außenborder-Wartung durch. Prüfen Sie auch, dass die Bilgepumpen reagieren und das Ankergeschirr komplett ist.
3. Sicherheitsausrüstung
- Rettungswesten: eine pro Person, passende Größe, auch für Kinder; bei automatischen Westen Patrone und Anzeige im grünen Bereich.
- UKW-Funk: geladen, getestet, Kanal 16 abgehört.
- Notsignale: Handfackeln und Raketen innerhalb des Verfallsdatums.
- Feuerlöscher, Verbandkasten und wasserdichte Taschenlampe dort, wo jeder sie findet.
- Rettungsring mit Leuchte und Wurfleine, wenn es für Ihr Boot vorgeschrieben ist.
Was vorgeschrieben ist, hängt von Bootstyp, Revier und Fahrtgebiet ab: Informieren Sie sich über die in Ihrem Land geltenden Vorschriften. Sind Ihre Westen automatisch, prüfen Sie sie vor der Saison und schauen Sie sich bei Bedarf unsere automatischen Rettungswesten an.
4. Was in die Bordtasche gehört
Ein schwimmfähiges Handsprechfunkgerät macht im Ernstfall den größten Unterschied, vor allem auf kleinen Booten ohne fest eingebaute Funke. Ergänzen Sie die Tasche um eine wasserdichte Taschenlampe mit Ersatzbatterien, einen Verbandkasten, Sonnenschutz, Wasser, warme und wetterfeste Kleidung auch bei schönem Wetter und das Handy in einer wasserdichten Hülle.
5. Papiere
- Sportbootführerschein bzw. der für Ihr Revier erforderliche Nachweis.
- Bootspapiere und Registrierung.
- Versicherungsnachweis.
- Funkbetriebszeugnis (SRC), wenn Sie das UKW-Gerät nutzen.
6. Crew und Törnplan
- Zeigen Sie allen, wo Westen, Feuerlöscher und Funkgerät liegen und wie der Motor gestoppt wird.
- Bestimmen Sie jemanden, der das Boot in den Hafen bringen kann, falls der Skipper über Bord geht.
- Hinterlegen Sie den Törnplan an Land: Route, Personen an Bord, Bootsbeschreibung und Rückkehrzeit.
- Kinder tragen die Weste schon am Steg.
- Wenn ein Hund mitfährt, gehört auch seine Weste dazu.
Typische Fehler vor dem Ablegen: den Ablassstopfen vergessen, wenn das Boot an Land stand; mit knappem Tank losfahren, weil es nur in die nächste Bucht geht; die Motorstopp-Leine nicht einhängen; und die Westen im verschlossenen Stauraum unter Leinen und Kühlboxen verstauen.
7. Der letzte Rundgang am Steg
Bevor Sie ablegen, gehen Sie einmal komplett um das Boot: Festmacher und Fender eingeholt und verstaut, Luken geschlossen, lose Gegenstände gesichert, Angeln und Ausrüstung fixiert. Starten Sie den Motor noch am Liegeplatz, prüfen Sie das Kühlwasser und warten Sie ein paar Minuten, bevor Sie loswerfen. Besprechen Sie mit der Crew, wer beim Ablegemanöver was macht, und zeigen Sie Neulingen, wie man sich mit einer Hand für das Boot an Bord bewegt.
8. Was je nach Bootstyp dazukommt
- Schlauchboot oder RIB: Luftdruck der Schläuche, Pumpe an Bord, Paddel oder Riemen und ein leichter Anker. Ein weicher Schlauch verändert das Verhalten im Seegang völlig.
- Segelboot: Zustand von Fallen, Schoten und Reffleinen, Segel angeschlagen oder bereit zum Setzen, Lifebelts und Strecktaue bei aufziehendem Wetter und ein vor dem Ablegen getesteter Hilfsmotor.
- Angelboot: Ruten und Zubehör gesichert, Eimer und Kescher, und ein Blick auf die Gewichtsverteilung, denn Angler bewegen sich viel.
- Abend- oder Nachtfahrt: Positionslichter, Stirnlampe, warme Kleidung und eine Karte oder ein GPS mit eingetragener Rückroute.
Bei der ersten Ausfahrt der Saison nehmen Sie sich mehr Zeit: Prüfen Sie Leinen, Fender, Batteriezustand sowie Verfallsdaten von Fackeln und Feuerlöscher, bevor der Wind Sie zur Eile zwingt. Ein ruhiger Check am Steg kostet wenig; ein hektischer auf dem Wasser kann viel kosten.
9. Prüfungen, die nicht bei jeder Fahrt anfallen
Manche Kontrollen passen nicht in fünf Minuten und gehören in den Kalender: Verfallsdaten von Fackeln, Raketen und Feuerlöscher; die Wartung automatischer Rettungswesten und einer Rettungsinsel nach Herstellerangaben; der Zustand von Batterien und Polen; die Kraftstoffqualität, wenn das Boot wochenlang stand; und der Zustand von Festmachern und Ankerleine, die unter Sonne und Scheuern leiden. Legen Sie sich zu Saisonbeginn eine Erinnerung an und prüfen Sie bei intensiver Nutzung im Hochsommer erneut. Ein ordentlich geführtes Bordbuch mit Wartungsterminen hilft dabei, nichts zu übersehen, und erleichtert auch den Überblick, wenn mehrere Personen das Boot nutzen.
Und zurück im Hafen
Spülen Sie Motor und Beschläge mit Süßwasser ab, laden Sie die Batterien, lüften Sie das Boot und notieren Sie Auffälligkeiten für die nächste Ausfahrt. Gründliches Abspülen verringert die Korrosion. Wenn Sie unterwegs ankern, lesen Sie Ankern Schritt für Schritt und die Seemannsknoten. Weitere Informationen unter Sicherheitsausrüstung.
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Häufige Fragen
Was muss ich vor dem Auslaufen prüfen?
Das Wichtigste sind Wetter, Kraftstoff, Motor, Bilge, Batterien, Rettungswesten, Funk und Papiere. Hinterlegen Sie außerdem einen Törnplan mit Route und Rückkehrzeit bei jemandem an Land.
Wie viel Kraftstoff sollte ich mitnehmen?
Als Faustregel gilt die Drittelregel: ein Drittel für die Hinfahrt, eines für den Rückweg und eines als Reserve. Bei Gegenwind oder Strömung auf dem Rückweg brauchen Sie mehr.
Welche Papiere gehören an Bord?
Der erforderliche Führerschein, die Bootspapiere, der Versicherungsnachweis und bei Nutzung eines UKW-Geräts das Funkzeugnis. Prüfen Sie die aktuell geltenden Vorschriften für Ihr Revier.
Wozu dient ein Törnplan?
Er ist eine Nachricht an eine Vertrauensperson mit Route, Personen an Bord, Bootsbeschreibung und geplanter Rückkehrzeit. Kommen Sie nicht rechtzeitig zurück, weiß sie, wo sie suchen und wen sie alarmieren muss.