Wenn Sie über unsere Links kaufen, erhalten wir von Amazon eine kleine Provision, für Sie ohne Mehrkosten. So finanzieren wir die Website. So wählen wir aus.
Inhalt
Wenn am Steg jemand fragt, warum seine »rostfreien« Relingstützen nach zwei Sommern braune Flecken haben, lautet die Antwort fast immer gleich: Es ist V2A (1.4301) verbaut, wo V4A (1.4401) hingehört hätte. Im Salzwasser ist der Unterschied zwischen beiden Sorten keine Kleinigkeit. Dieser Ratgeber erklärt, was Edelstahl 304 und 316 unterscheidet, welche Rolle Passivierung und Kontaktkorrosion spielen und welche Sorte an welchen Beschlag gehört.
Kurz gesagt: An Deck, im Cockpit, auf der Badeplattform und überall, wo Spritzwasser hinkommt, gehört V4A (316, A4). V2A (304, A2) ist nur für trockene Innenräume, Süßwasserboote oder leicht austauschbare Teile sinnvoll. Und überall, wo Edelstahl Aluminium berührt, muss die Verbindung isoliert werden.
V2A und V4A: Was sie unterscheidet
Beides sind austenitische, nahezu unmagnetische Edelstähle mit Chrom und Nickel, die gleich aussehen. Der Unterschied liegt in einem Element, das man nicht sieht: V4A enthält 2 bis 3 % Molybdän und etwas mehr Nickel, V2A kein Molybdän. Dieses Molybdän macht den Stahl widerstandsfähig gegen die Chloride im Meerwasser.
| Merkmal | V2A (AISI 304, A2) | V4A (AISI 316, A4) |
|---|---|---|
| Werkstoffnummer | 1.4301 (304L: 1.4307) | 1.4401 (316L: 1.4404) |
| Chrom | 18-20 % | 16-18 % |
| Nickel | 8-10,5 % | 10-14 % |
| Molybdän | Keines | 2-3 % |
| PREN (Richtwert) | 18-20 | 23-28 |
| Lochkorrosion durch Chloride | Häufig im Seewasser | Deutlich geringer |
| Zustand nach einer Saison Salz | Braune Flecken (»Teeflecken«) | Bleibt mit einfacher Pflege sauber |
| Relative Kosten | Referenz | Spürbar höher |
Die PREN-Zahl (Pitting Resistance Equivalent Number) wird aus Chrom, Molybdän und Stickstoff berechnet und dient dem Vergleich der Lochkorrosionsbeständigkeit. Die Werte sind Richtwerte, da sie von der genauen Zusammensetzung der jeweiligen Charge abhängen.
Warum V4A dem Meer besser standhält
Jeder Edelstahl schützt sich durch einen hauchdünnen Chromoxidfilm, der sich von selbst bildet, sobald Sauerstoff herankommt. Diese Passivschicht sorgt dafür, dass der Stahl »nicht rostet«. Das Problem im Meerwasser ist das Chlorid-Ion: Es greift die Schicht an einzelnen Stellen an, durchlöchert sie und öffnet ein winziges Loch, das nach dem Start im Inneren versauert und sich ins Metall frisst.
Das Molybdän im V4A verstärkt diesen Film und macht ihn deutlich schwerer angreifbar. Bei gleicher Politur und Pflege glänzt ein Handlauf aus V4A noch, wenn einer aus V2A schon Punkte und braune Schlieren zeigt. V4A ist nicht immun — in warmen Revieren oder bei vernachlässigter Pflege fleckt auch er —, aber die Reserve ist viel größer.
Lochkorrosion und Spaltkorrosion
Die gefährlichste Korrosion an Bord ist nicht die sichtbare, sondern die, die dort entsteht, wo kein Sauerstoff hinkommt: unter dem abgedichteten Fuß einer Relingstütze, in einer gepressten Kabelschuhhülse, im Gewinde einer Durchgangsschraube oder unter einer Unterlegscheibe. Ohne Sauerstoff kann sich die Passivschicht nicht erneuern, und das stehende Salzwasser wird immer aggressiver. Das ist die Spaltkorrosion, und sie lässt ein scheinbar einwandfreies Teil plötzlich brechen.
V4A widersteht ihr deutlich besser, schließt sie aber nicht aus. Bei Relingstützen und Handläufen, Ankerschäkeln und Wirbeln und allen belasteten Beschlägen sollte man gelegentlich demontieren und die verdeckten Stellen prüfen.
Welche Sorte für welche Stelle am Boot
| Beschlag oder Bereich | Empfohlene Sorte | Anmerkung |
|---|---|---|
| Klampen, Verholklampen, Augen | V4A | Unter Last und ständig nass |
| Relingstützen, Bug- und Heckkorb, Handläufe | V4A (316L, wenn geschweißt) | Füße auf Spaltkorrosion prüfen |
| Badeleiter und Gangway | Besser V4A | V2A ist akzeptabel, wenn er gespült und oft kontrolliert wird |
| Schrauben an Deck und Rumpf | A4 (316) | Mit Dichtmasse, auf Aluminium zusätzlich isolieren |
| Scharniere und Verschlüsse von Luken | V4A | Aus V2A fleckig und festfressend |
| Beschläge für das Bimini | V4A | Rohre und Endstücke sind stark salzbelastet |
| Möbel im Innenraum, Pantry, Bad | V2A reicht | Wenn der Bereich trocken und belüftet ist |
| Boot im Süßwasser | V2A reicht | Ohne Chloride hält V2A sehr gut |
| Ankerschäkel und Wirbel | V4A oder hochwertiger verzinkter Stahl | Edelstahl ermüdet und kündigt den Bruch kaum an |
V2A ist kein schlechtes Material: Er ist günstiger und fern vom Salzwasser völlig in Ordnung. Sinnvoll ist er im Innenraum, auf Süßwasserbooten oder bei gelegentlicher Nutzung mit gründlichem Abspülen.
Kontaktkorrosion: Edelstahl auf Aluminium
Berühren sich zwei verschiedene Metalle und benetzt sie Salzwasser, entsteht ein galvanisches Element: Das unedlere Metall korrodiert und schützt dabei das edlere. In der Spannungsreihe des Meerwassers ist passiver Edelstahl recht edel, Aluminium liegt weit darunter. Die Folge: Eine Edelstahlschraube in einem Aluminiummast, -baum oder einer Plattform ist bald von weißem Pulver (Aluminiumoxid) umgeben, und nach Jahren ist das Gewinde zerstört oder die Schraube durch Korrosion festgebacken.
- Isolierende Montagepaste auf das Gewinde und unter den Kopf (z. B. Tef-Gel oder Zinkchromat).
- Unterlegscheiben aus Nylon oder Delrin zwischen Edelstahlbeschlag und Aluminiumteil.
- Kontaktfläche klein halten und so, dass kein Wasser stehen bleibt.
- Das anodische Metall sollte die deutlich größere Fläche haben: Eine kleine Edelstahlschraube in einem großen Aluminiumteil richtet viel weniger Schaden an als umgekehrt.
Das ist dasselbe Prinzip wie bei Opferanoden: Ein stark anodisches Metall korrodiert gezielt, um Propeller, Wellen und Antriebe zu schützen.
Passivierung und Pflege
Die Passivierung ist eine chemische Behandlung (mit Salpeter- oder Zitronensäure), die freies Eisen von der Oberfläche entfernt und eine gleichmäßige Passivschicht fördert. Nach Sägen, Bohren, Schweißen oder Schleifen ist diese Schicht beschädigt und mit Werkzeugpartikeln verunreinigt. Ein werkseitig sauber gefertigtes Teil ist passiviert oder elektropoliert; ein an Bord bearbeitetes nicht.
- Nach dem Bohren eines Beschlags die Späne gründlich entfernen und ein Passiviergel oder Edelstahlbeize auftragen.
- Keine Bürsten oder Stahlwolle aus Kohlenstoffstahl auf Edelstahl verwenden: Sie hinterlassen Eisenpartikel, die rosten und den Eindruck erwecken, der Edelstahl selbst roste.
- Elektropolieren liefert eine glattere Oberfläche mit weniger Startpunkten für Lochkorrosion; deshalb halten hochwertige Beschläge länger.
- Mit Süßwasser abspülen nach dem Segeln ist die beste Pflege: Das Salz wird entfernt, bevor es sich anreichert.
Sind die Flecken schon da, zeigt der Ratgeber Edelstahl am Boot reinigen die Vorgehensweise Schritt für Schritt; passende Produkte finden Sie unter Edelstahlreiniger und -polituren.
316L, Duplex und die 200er-Reihe
316L ist ein V4A mit sehr niedrigem Kohlenstoffgehalt (höchstens 0,03 %). Beim Schweißen verhindert er, dass sich Chrom mit Kohlenstoff verbindet und die Wärmeeinflusszone ungeschützt zurückbleibt; deshalb ist er die Standardwahl für geschweißte Heckkörbe, Handläufe und Sonderhalterungen.
Duplex-Stähle wie 2205 verbinden austenitisches und ferritisches Gefüge mit mehr Chrom, Molybdän und Stickstoff: Sie übertreffen V4A bei der Korrosionsbeständigkeit und haben etwa die doppelte mechanische Festigkeit. Man findet sie bei hochwertigen Beschlägen und Wellen. Am anderen Ende stehen die 200er- und 400er-Reihen, die manchmal nur als »Edelstahl« verkauft werden und im Salzwasser schnell versagen.
Häufige Fehler bei Kauf und Montage
- »Edelstahl« ohne Sortenangabe kaufen: Steht weder 316 noch A4 im Angebot, gehen Sie von V2A oder schlechter aus.
- A2-Schrauben an einem A4-Beschlag verwenden: Das schwächste Teil bestimmt die Lebensdauer der ganzen Verbindung. Mehr dazu im Ratgeber Edelstahlschrauben für das Boot.
- Edelstahl ohne Isolierung auf Aluminium montieren.
- Mit Essigsäure-Silikon abdichten: Die Essigsäure greift die Passivschicht an. Nehmen Sie Polyurethan, MS-Polymer oder Butyl (siehe Dichtmassen für Boote).
- Edelstahl trocken auf Edelstahl mit dem Schlagschrauber anziehen: Das Gewinde frisst, die Schraube verschweißt kalt.
- Mit normaler Stahlwolle oder Bürsten aus Kohlenstoffstahl reinigen.
Achtung: Mit einem Magneten lassen sich V2A und V4A nicht unterscheiden. Beide sind nahezu unmagnetisch und können nach Kaltumformung leicht magnetisch werden. Verlassen Sie sich auf die Herstellerkennzeichnung (A4, 316, 1.4401, 1.4404), nicht auf den Magneten.
Empfohlenes Zubehör zu diesem Ratgeber
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Edelstahl 304 (V2A) und 316 (V4A)?
V4A (316) enthält 2 bis 3 % Molybdän und etwas mehr Nickel als V2A (304). Das Molybdän verleiht ihm eine viel höhere Beständigkeit gegen Loch- und Spaltkorrosion durch die Chloride im Meerwasser. Für jeden Beschlag, der mit Salzwasser in Berührung kommt, ist V4A die richtige Wahl.
Rostet V2A-Edelstahl im Salzwasser?
Er löst sich nicht auf, aber im Seewasser zeigen sich schnell braune Oberflächenflecken, und an sauerstoffarmen Stellen wie unter einem abgedichteten Fuß oder im Gewinde kann Loch- und Spaltkorrosion auftreten. Für trockene Innenräume oder Süßwasser genügt er meist; an Deck ist er nicht zu empfehlen.
Woran erkenne ich, ob ein Beschlag aus V2A oder V4A ist?
Ein Magnet ist kein zuverlässiger Test, da beide Sorten nahezu unmagnetisch sind. Sicher sind die Herstellerkennzeichnung (A4, 316, 1.4401, 1.4404) oder eine Analyse mit Molybdän-Reagenz oder Spektrometer. Steht beim Verkäufer nur »Edelstahl«, gehen Sie von V2A oder schlechter aus.
Was bedeuten A2 und A4 bei Schrauben?
Das sind Bezeichnungen aus der Norm ISO 3506: A2 entspricht der V2A-Familie (304), A4 der V4A-Familie (316). Die folgende Zahl (A4-70, A4-80) gibt die Festigkeitsklasse an. Im Außenbereich und bei Kontakt mit Salzwasser verwenden Sie A4.
Darf ich Edelstahlschrauben in einem Aluminiummast oder einer Aluminiumplattform verwenden?
Ja, das ist üblich, aber nur mit Isolierung: Mit Salzwasser als Elektrolyt korrodiert das Aluminium rund um die Schraube. Tragen Sie isolierende Paste auf das Gewinde auf und legen Sie Nylon-Unterlegscheiben unter Kopf und Beschlagfuß.