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Ein Ankeralarm auf dem Handy ist nur so gut wie seine Einstellungen. Ist der Radius zu knapp, weckt er dich bei jedem Winddreher, bis du ihn irgendwann ausschaltest. Ist er zu groß, klingelt er erst, wenn du schon auf den Steinen sitzt. Entscheidend sind drei Dinge: wo du den Anker markierst, welchen Radius du einstellst und wie du das Handy für die Nacht hinlegst.
Kurz gesagt: Markiere den Anker mit dem Handy am Bug, sobald er den Grund berührt. Als Radius nimmst du den waagerechten Abstand der Kette plus Bootslänge plus 10-15 m GPS-Reserve. Lass das Handy laden, stell den Ton laut und mach vor dem Schlafen einen Test.
So berechnest du den Alarmradius
Das Boot schwoit um den Anker, aber nicht im Abstand der gesteckten Kettenlänge: Ein Teil der Kette läuft senkrecht nach unten zum Grund. Wenn der Wind sie ganz streckt, beträgt der waagerechte Abstand vom Anker bis zum Bug:
waagerechter Abstand = √(Kette² − Höhe²)
Die Höhe ist die Wassertiefe plus der Freibord am Bug (von der Bugrolle bis zum Wasser). Dazu kommen die Bootslänge, weil das Handy nicht auf der Bugrolle liegt, sondern im Cockpit oder Salon, und eine Reserve für den GPS-Fehler.
Rechenbeispiel
- Tiefe: 6 m. Freibord am Bug: 1 m. Höhe: 7 m.
- Gesteckte Kette: 35 m (Verhältnis 5:1).
- Waagerechter Abstand: √(35² − 7²) = √(1225 − 49) = √1176 ≈ 34 m.
- Bootslänge: 10 m. GPS-Reserve: 10 m.
- Radius: 34 + 10 + 10 = 54 m. Aufgerundet 55 m.
Wie du siehst, spart die Wurzel gerade einmal einen Meter: Ab 5:1 ist der waagerechte Abstand fast so lang wie die gesteckte Kette. Deshalb funktioniert die Faustregel „Kette + Bootslänge + Reserve“ gut. Ins Gewicht fällt die Wurzel nur bei tiefem Wasser mit wenig Kette: Mit 33 m Kette auf 10 m Tiefe sinkt der waagerechte Abstand auf etwa 31 m. Wenn du nicht genau weißt, wie viel Kette draußen ist, lies zuerst unseren Ratgeber Ankern Schritt für Schritt.
Wo und wann du auf „Hier ankern“ tippst
Der Alarm weiß nicht, wo dein Anker liegt: Er speichert die Position des Handys in dem Moment, in dem du tippst, und misst den Abstand zu diesem Punkt. Deshalb kommt es so darauf an, wo du dabei stehst.
| Wann und wo du markierst | Abstand Punkt–Anker | Nötiger Radius (Beispiel) |
|---|---|---|
| Am Bug, wenn der Anker den Grund berührt | Fast null | 34 + 10 + 10 = 55 m |
| Am Bug, nachdem der Anker gefasst hat | Der waagerechte Abstand (34 m) | 34 + 34 + 10 + 10 = 88 m |
| Im Cockpit, nachdem er gefasst hat | Waagerechter Abstand + Bootslänge (44 m) | 44 + 44 + 10 = 98 m |
Markierst du zu spät, liegt der gespeicherte Punkt in Lee des Ankers. Solange der Wind gleich bleibt, ist das egal. Dreht er aber um 180°, liegt das Boot auf der anderen Seite des Ankers und fast doppelt so weit vom gespeicherten Punkt entfernt. Um Fehlalarme zu vermeiden, bräuchtest du fast den doppelten Radius, und dann meldet sich der Alarm viel später, wenn du vertreibst.
Am zuverlässigsten: Geh mit dem Handy zum Bug und tippe auf „Hier ankern“, sobald der Anker den Grund berührt. Dann Kette stecken, rückwärts eindampfen und prüfen, ob er hält. Hält er nicht und du musst neu ankern, markiere neu.
Vorsicht beim Ankern mit Leine: Leine dehnt sich unter Last. Bei einem langen Leinenstück ein paar Meter zur Reserve dazugeben.
Wie genau ist das Handy-GPS?
Unter freiem Himmel liegt das GPS eines iPhones meist auf 3-5 m genau. Im Salon, unter Deck und umgeben von GFK, Metall und Rigg, kann der Fehler auf 10-20 m steigen, und die Position „wandert“, obwohl das Boot stillliegt. Daher die Reserve von 10-15 m.
- Leg das Handy in die Nähe eines Bullauges oder des Niedergangs, nicht ganz hinten in eine Kabine.
- Beobachte vor dem Schlafen ein paar Minuten, wie der Abstand zum Anker schwankt, während das Boot ruhig liegt: Diese Schwankung ist dein tatsächlicher Fehler.
- Klingelt der Alarm und der Abstand ist sofort wieder normal, war es wahrscheinlich ein GPS-Sprung. Dann die Reserve um ein paar Meter erhöhen, nicht verringern.
Akku, gesperrtes Display und Lautstärke
GPS die ganze Nacht kostet Akku. Ein iPhone hält das vielleicht durch, aber das Risiko lohnt sich nicht: Häng es ans Ladekabel, an eine 12-V-USB-Steckdose oder eine Powerbank. Achte darauf, dass sich das Kabel beim Rollen nicht löst.
- Das Handy zu sperren ist kein Problem, wenn die App dafür gebaut ist. Was du nicht tun darfst: sie im App-Umschalter nach oben wegwischen. Dann bekommt sie von iOS keinen Standort mehr.
- Lautstärke hoch, und prüf die Fokus-Modi und „Nicht stören“, damit sie den Alarm nicht stummschalten.
- Mach einen Test, wenn du vor Anker liegst: Verkleinere den Radius, bis der Alarm klingelt, prüfe, ob du ihn in der Koje hörst, und stell dann wieder den richtigen Radius ein.
- Segelst du mit Crew, sollte noch jemand wissen, was der Alarm bedeutet und wo das Handy liegt.
Der Wind dreht: Schwojkreis und Nachbarn
Der Alarmradius ist zugleich dein Schwojkreis: der Platz, den du brauchst, wenn der Wind die Richtung wechselt. Bevor du der Zahl vertraust, schau dich um. Passt dieser Kreis, ohne Felsen, Untiefen oder andere Boote zu berühren? Denk daran, dass auch die Nachbarn schwojen, und nicht immer gleich: Ein Boot an der Leine schwojt weiter und träger als eines an reiner Kette.
Erwartest du nachts einen Winddreher, etwa den Landwind nach einem Nachmittag mit Seewind, meldet der Alarm zwar, wenn du vertreibst, aber nicht, dass der Nachbar zu nah gekommen ist. Das löst nur ein gut gewählter Ankerplatz.
Was tun, wenn er klingelt
- An Deck gehen und schauen. Abstand und Peilung zum Anker auf dem Display prüfen und mit Landmarken vergleichen.
- Hat der Wind gedreht, oder vertreibst du? Wenn sich der Abstand einpendelt und die Lichter an Land sich relativ zu dir nicht bewegen, war es vielleicht nur weites Schwojen oder ein GPS-Sprung.
- Wenn du vertreibst: Motor an, Crew wecken, bei Bedarf Navigationslichter einschalten und bereit machen, den Anker zu lichten und mit mehr Kette oder an anderer Stelle neu zu ankern.
Für einen Anker, der dir solche Nächte erspart, sieh dir die Anker in unserem Vergleich und den Ratgeber welcher Anker passt an.
Häufige Fragen
Welchen Radius stelle ich beim Ankeralarm ein?
Den waagerechten Abstand der Kette (Wurzel aus Kette zum Quadrat minus Höhe zum Quadrat), plus Bootslänge, plus 10-15 m GPS-Reserve. Mit 35 m Kette auf 6 m Tiefe und 10 m Bootslänge etwa 55 m.
Wann markiere ich die Ankerposition?
Am zuverlässigsten mit dem Handy am Bug, sobald der Anker den Grund berührt. Markierst du später im Cockpit, liegt der Punkt weit vom Anker entfernt und du brauchst fast den doppelten Radius.
Funktioniert der Ankeralarm bei gesperrtem Handy?
Ja, wenn die App dafür gebaut ist, wie Marine Tools. Wisch sie nicht im App-Umschalter weg, stell den Ton laut und lass das Handy laden.
Warum klingelt der Alarm, obwohl ich mich nicht bewegt habe?
Meist wegen des GPS-Fehlers unter Deck oder weil das Boot weiter schwojt als gedacht. Erhöhe die Reserve um ein paar Meter und leg das Handy in die Nähe eines Bullauges.
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